Die Sonnenseite der Dunkelheit

Die Macht meines Selbst

HA! Welch eine dramatische und (meiner Meinung nach) tiefsinnige Überschrift.
Aber genau darum soll es gehen. Um die eigene Macht, den eigenen Willen, oder einfach ausgedrückt:

Selbstdisziplin.

Bei wem die gut ausgeprägt ist, der kann sich glücklich schätzen. Und das meine ich wirklich todernst! Denn sich diese Eigenschaft anzugewöhnen ist harte, schweißtreibende Arbeit. Ja aber wie sagt man so schön? Von nichts kommt nichts? Was für ein blöder Spruch...da steckt einfach zu viel Wahrheit drin. Und wer wird schon gerne mit Realität und Wahrheit konfrontiert? Man müsste sich ja eine Schwäche eingestehen! Pfui Teufel. Bloß nicht!
Aber zurück zum Thema: Ich glaube jeder sitzt irgendwann einmal in einem tiefen, tiefen, seeeeehr tiefen schwarzen Loch. Und es ist so schön einfach, darin sitzen zu bleiben, bis der bekannte strahlende Held in glänzender Rüstung auftaucht und einem hilfsbereit die Hand reicht.

Ja toll...dann kannst du aber lange warten...

Er wird nicht kommen! Wir sind hier weder in Aschenputtel, Dornröschen oder Rotkäppchen. Der einzige Ausweg: Sei dein eigener Ritter! (oder "Ritterrin"?) Außnahmsweise kann man hier einmal Baron Münchhausen spielen und sich selber an seinem Haarschopf aus dem Dreck ziehen. Aber dazu brauchen wir doch noch was. Richtig. Selbstdisziplin. Das ist toll nicht wahr? Ein Teufelskreis vom Feinsten! Doch bevor wir uns seufzend und geschlagen vom Schlachtfeld zurückziehen schauen wir doch lieber mal, ob wir nicht, auch ohne Münchhausen zu sein, da wieder raus kommen.
Mein Semester hat gerade wieder angefangen und nach einer recht langen Zeit habe ich mal wieder das Gefühl, ich würde in der Falle sitzen. Ich mache und tu und es kommt irgendwie nichts dabei heraus. Ein Berg in der Größenordnung des Himalayas baut sich gerade vor meinem inneren Auge auf und man hat das Gefühl, an der Spitze zu kratzen. Nur bringt mir das nicht viel, weil der Berg einfach nicht kleiner werden will. Böser Berg! Ach nein halt, das ist ja gerade wieder so ein Fall von: "Ich-schiebe-Sachen-auf-leblose-unbeteiligte-Dritte" Entschuldigung Berg...
Nachdem es unglaublich liebe Menschen gibt, die einen Laserdrucker besitzen und mit Essen bestochen werden können, konnte ich mich nun ganz in die Welt des "Zen-to-Done" versenken, weil endlich das 50-Seitige E-Book gedruckt wurde.
Endlich kann auch ich mich vom unorganisierten Chaot zum Arbeitstier entwicken...na ja...das ist zumindest die glühende Hoffnung im derzeitigen dunklen Tunnel. Klingt gut, nicht wahr? Ist es auch. Nach einiger Vorarbeit wurden heute die ersten Sachen umgesetzt und ich habe heute so viel geschafft, wie sonst nie an einem Tag! Ich war meeeeegaaaaproduktiv. Und wenn man die ganze Zeit darauf angewiesen ist, sich selbst zu motivieren, die Dinge nicht aus den Augen zu verlieren und auch noch aufpassen muss, dass man die richtigen Dinge zur richtigen Zeit macht, der wird verstehen können, das man sich zum regelrechten Prokrastinator entwickelt. Eine furchtbare Zwickmühle. Aber dank des ZTD gibt es Abhilfe für alle, die gerne Berge vor sich hin- und herschieben. Ich werde mich jetzt noch ein wenig in dieses wunderbare System versenken, der morgige Tag will geplant werden, damit ja nichts vergessen oder prograstiniert wird! (bei Animationen würde hier jetzt ein drohender Zeigefinger eingeblendet werden!) Mal sehen, ob ich doch noch fähig bin meinen inneren Schweinehund (er heißt übrigens Katastrophis, denn genau das ist er!) zu zähmen und ihn vielleicht umbenennen zu können.

Selbstdisziplin

Man hat sie...oder auch nicht...und wenn man sie nicht hat, ist man echt ganz schön mies dran. Ab heute läuft der Selbstversuch und ich bin ja mal gespannt, wann die ersten guten Vorsätze über Bord geworfen werden. Aber eins fällt mir heute schon auf...wenn man Dinge gleich erledigt hat man plötzlich ganz schön viel Zeit. Zum Beispiel um den heutigen Eintrag zu verfassen. Ist doch schön, nicht wahr?

ICH BIN GOTT!

Mal ehrlich, wer wünscht sich das insgeheim nicht selbst manchmal?

Einen ausgetrockneten Landstrich betreten, unter den Füßen beginnt es zu grünen und zu blühen und man spürt das prickelnde Leben, das sich knisternd seinen Weg in den Boden sucht. Oder vielleicht eine Tonfigur formen und ihr mit einem Atemzug Leben einhauchen?

So ähnlich fühle ich mich zur Zeit. Nur funktioniert es bei mir etwas anders. Hier liegt ein blütenweißer linierter Block, der darauf wartet, beschrieben zu werden, und es strömt die Tinte aus der Spitze des Füllfederhalters (na gut, manchmal ist es auch, sehr undekadent, ein neumodischer Kugelschreiber (; ) während meine Ohren leise im Hintergrund mit Mister Hutchinson Hedge's großartiger "van Dusen Chronik" verwöhnt werden. Für Neugierige sei hierbei auf den einschlägigen Kanal auf Youtube verwiesen, der  fast alle Fälle des Prof. Dr. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, dem größten Wissenschaftler aller Zeiten und Amateurekriminologe, bereithält. Eine großartige Hörspielserie von Michael Koser, der sich den Vorlagen des auf der Titanic umgekommenen Autors Jaques Futrelle bedient hat und die später als Hörspiele vertont wurden.

Aber genug, es geht hier heute nicht um die "Denkmaschine".

Wenn also in der Nacht mir Geschichten aus der Welt der Kriminologie zum Besten gegeben werden, kaue ich unterdessen auf meinem Stift herum und starre auf ein weißes, liniertes Papier. Ich sammel Ideen, lass mich von den kriminologischen Rätseln inspirieren und während van Dusen die Verbindungen mit glasklarer Logik auzudröseln beginnt, verstricke ich meine Fäden zu einem Plot. Lange habe ich mich geweigert, der Gott meiner Figuren zu sein, und muss nun Asche auf mein Haupt streuen, da mein bisheriger Schreibvorgang in viele Sackgassen führte und ich nun zugeben muss, dass auch ein kreativer und chaotischer Kopf ein wenig Ordnung und Führung bedarf.

Jetzt stehe ich mit meinem Block und meinem Stift in der Hand in meiner Sackgasse und kritzel mir einen Plan um da wieder herauszukommen. Und Zähne knirschend gebe ich zu, dass es funktioniert. Mist. Jetzt fang ich also doch an zu planen.

Letzte Nacht war ich das erste mal Gott, oder eine Göttin, besser gesagt. Die weite Welt des Internets hat mich schon vor langer Zeit auf einen sehr schönen Blog geführt und dort wurde ich auch fündig und entdeckte einen schön vorgeformten Charakterbogen, den ich noch ein wenig an meine Bedürfnisse anpasste. Und dann ging es auch schon los: die roten Grablichter an, die machen immer eine so schön gemütlich-gruselige Stimmung ;) , mein extra dafür zusammengestellter Musikordner ins Winamp verfrachtet und schon war man mittendrin in der Story, in der Person und all den Faktoren, die meine Protagonistin schließlich prägen und prägen sollten. Als erstes: Der Name. Wie soll denn Fräulein Protagonistin heißen? Schwierig. Mit irgendeiner Vorstellung ist ja nun jeder Name behaftet. Und das auch noch bei jedem anders. Der Name war also gefunden, nun das Aussehen.Ich stellte mir "Gundula" vor, die Schneiderpuppe meiner Schwester. Sie machte sich als formlose Vorstellung einer Person recht gut und bekam schließlich eine Frisur, einen Körperbau und natürlich Arme und Beine, die fehlen der armen Gundula als Schneiderpuppe bekanntlich. Es war richtig spannend in der eigenen Vorstellung die Haare, die Kleidung, Augenfarbe und besondere Merkmale zu ändern oder hinzuzufügen. Mit einem Fingerzeig und kleinen glitzernden Lichtern verschwand oder tauchte beliebiges Objekt auf. Ein Mensch hat definitiv zu viele soziale Bezugspersonen. Das nächste mal nehme ich einen Charakter mit einer ausgeprägten sozialen Phobie. Man muss eindeutig zu viel beachten! Aber wer will schon alles noch einmal durcharbeiten, nur weil man einen logischen Fehler gemacht hat? Jetzt erst fällt einem auf, aus wie vielen Faktoren ein Mensch besteht! Es ist ja nicht nur, dass man sich um die Äuserlichkeiten Gedanken machen muss. NEIN! Ein Charakter besteht zu 90% aus Dingen, die der Leser niemals erfahren wird, Innere Konflikte, Zwänge, prägende Einflüsse und Momente in seiner Vergangenheit, Traumatas! Ist der eine Zeh länger als der andere? Fehlt ihm seit der Geburt eine Rippe auf der linken Seite? Hat er in der achten Klasse ein fünf in Mathe geschrieben und war heimlich in die Geschichtslehrerin verliebt? Sicher, dient es dem Plot, dann wird man solche Sachen ansprechen, aber in den wenigsten Fällen wird man erfahren, dass die Lieblingssocken bunt geringelt sind und man den das Essen der Großmutter abgrundtief eklig findet. Für den Schreibenden können das nur leider wichtige Gründe sein, warum die Person jetzt so handelt, wie sie es tut. Nur wer seinen Charakter in und auswendig kennt, kann ihn logisch handeln lassen. Und vermeidet somit lästige Brüche in der Logik des Handlungsgefüges.

So viel Spaß das ganze auch gemacht hat...mit einem Male wurde man sich Problemen bewusst, die man früher gar nicht bemerkt hatte. Geschriebene Szenen kamen einem in den Sinn und die To-Do-Liste füllte sich, weil das Verhalten der Person in der Szene pötzlich nicht mehr zu  ihr passte! "Ja suuuuper!", denkt der kreative Kopf. Jetzt darf ich nochmal von vorne anfangen! Aber so schlimm wurde es dann doch nicht und mit dem Stift am Kopf kratzend, bzw am Stiftende kauend (im Übrigen eine furchtbare Angewohnheit aus der Schule!) überlegte ich weiter. Wenn die Person jetzt blonde Haare hat, bedient man dann das Klischee vom naiven Blondchen? HA! Eine gute Idee! Könnte sich vielleicht irgendwann mal zu einem Vorteil entwickeln, wenn der Charakter seiner Ausstrahlung wegen ständig unterschätzt wird. Oder doch nicht? Nach geschlagenen zwei Stunden wurde mir bewusst, dass ich aufhören musste, da man unmöglich alle Facetten einer Person berücksichtigen kann. Die Idee des Charakterbogens war wirklich gut. Und mit einem Male bemerkt man, wie viel Arbeit so ein schriftliches Mammutwerk namens Roman macht. Immerhin existieren ja nicht nur die ein oder zwei Protagonisten, sondern sehr viele Figuren mehr in einem Text.

Mittlerweile ist der Charakter fertig und geheim gelagert. Welcher unglückselige Mensch zufällig darauf einen Blich werfen sollte, den treffe mein Zorn und straft ihn mit maigrünen und rosaroten Pünktchen auf dem Körper!!!

Der eigentlich kurz geplante Einblick ist nun doch etwas länger geworden, aber man bekommt schon eine kleine Ahnung von der Charaktererschaffung...ich lese mittlerweile Bücher mit einem anderen Blickwinkel. Denn wenn ich mir vorstelle, dass ich noch mindestens drei Protagonisten in dem Maße entwickeln muss, weis man, wie lange ein hauptberuflicher Schriftsteller für einen flüssigen und gut entwickelten Text alleine mit der Beschäftigung seiner Charaktere benötigt. Und so bleibt mir nur noch der demütige Respekt vor allen großen Schriftstellern, die die Fähigkeit besitzen, durch solche mühevollen Kleinarbeit, Geschichten zu erschaffen, die uns in kalten und stürmischen Nächten mit ihren Meisterwerken zu fesseln wissen...

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Zu Hülfe! Ist das Dunkel hier!

Hmm...hier ist es ja wirklich ganz schön finster. Ah...moment...ich mach mal das Licht an.

*knipps*

Na? Seht ihr mich jetz? Neiiin! Docht nicht da drüben. Hallo! Ein bisschen weiter nach rechts. Also wirklich...ich meine das andere rechts! Ja...genau dort. So ist gut. Und jetz noch ein bisschen nach unten schauen, ich bin doch nicht so groß. Na? Habt ihrs jetzt? Ist doch nett bei mir, nicht wahr? Ich musste eigentlich nur die gruseligen Blümchentapeten von meinem Vormieter entfernen und heute habe ich endlich neu gestrichen, da fühlt man sich gleich viel wohler. Teppich kommt dann nächste Woche. Also machts euch erstmal bequem, nehmt euch einen Tee und ein "Herzliches Willkommen" auf der Sonnenseite der Dunkelheit.
Warum meine neue, schriftstellerische Heimat ausgerechnet ein klitzekleines Paradoxon sein musste? Zum einen, weil es an einen wunderbaren Zeichentrickfilm angelehnt ist (Ruby Gloom) und zum anderen, weil es doch einfach die Wahrheit ist. Ohne Schatten kein Licht, oder so ähnlich...
Jaaa...warum schreibt man eigentlich in einen Blog? Wenn ich ehrlich bin, weis ich das auch noch nicht. Vielleicht bin ich in ein paar Wochen ja schlauer oder habe das Geheimnis, sich mitzuteilen bis dahin ergründet. Wir werden sehen... ^__^  Aber ein paar Gründe fallen mir spontan trotzdem ein, warum man ausgerechnet sein Innerstes nach Außen kehrt und das dann auch noch in diesem furchtbaren "Ding" namens Internet!

  1. Man kann so wunderbar über die Nichtigkeiten des Lebens schreiben, die irgendwie im Alltagsleben keinen Platz finden. Ooooder auch über furchtbar tolle, unwichtige und abstrakte Dinge schreiben, die wahrscheinlich die wenigsten interessieren, es mich aber glücklich macht, wenn ich sie aufschreiben kann...
  2. Meine Romanfiguren werden unheimlich glücklich sein, da ihnen wieder etwas mehr Aufmerksamkeit zuteil wird, falls ich mich dazu überwinden kann hier regelmäßig etwas zu schreiben ^.^ um dann den kreativen Schreidrang in kontrolliertere Bahnen zu lenken.
  3. Und zum Schluss (weil das Wichtigste zum Schluss): liebe Familie, ich weis ich rede sonst ohne Punkt und Komma, aber bin am Telefon wortkarg...nun könnt ihr auch ein bisschen teilhaben, was ich, außerhalb des monotonen Alltags, den ganzen Tag so treibe...ich hoffe, ihr freut euch... (und an meine Mama: ich hoffe du gruselst dich über die kreative Kommasetzung und die fehlerhafte Groß- und Kleinschreibung nicht allzu sehr ^.^ )

wow...drei gute Gründe zum schreiben...ich bin mal gespannt, wie lange die Euphorie anhält. Außerdem soll es natürlich auch dazu dienen, aus meinem chaotischen Experiment "Roman" ein paar Kapitelausschnitte zu veröffentlichen, die allesamt natürlich Rohware und damit zum Abschuss freigegeben sind und gerne kritisiert werden dürfen. Mal gespannt, ob es denn mal den einen oder anderen Ausschnitt geben wird ^^ NOCH bin ich optimistisch!
Und auf wessen Mist ist das ganze gewachsen? Natürlich wieder mal während eines Gespräches mit der lieben Susi, in dem man frustriert feststellt: "Man könnte doch mal...", "Man müsste eigentlich...", "Wenn man nicht so faul wäre, dann sollte man...", "Also eigentlich wollte ich schon iiiiimmer mal..." ja, ja...aus solchen Sätzen entwickeln sich Ideen...man muss nur mal machen! Also...ich dann mach mal... ^__^

 

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Ach furchtbar! Jetzt wollte ich einen ganz tollen Abschluss schreiben und mir fallen noch so viele Sachen ein, die man so erzählen könnte. Aber die werden jetzt unterdrückt und bis zum nächsten Eintrag erstmal kanalisiert! Selbst das Chaos besitzt Ordnung...